Atemwegserkrankungen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen in der Schweinehaltung. Das Tückische dabei: Viele betroffene Tiere zeigen im Stall kaum erkennbare Anzeichen. Sie husten wenig oder gar nicht, fressen scheinbar normal und fallen im Alltag nicht auf. Trotzdem können Schäden an der Lunge die Leistung der Tiere deutlich beeinträchtigen.
Vergleich vom Schlachtgewicht und Schlachtalter von Schweinen mit gesunden Lungen (n = 41.943) und Schweinen mit Lungenentzündungen, verursacht durch Mykoplasmen (n = 5.069) 1
Erst am Schlachthof wird sichtbar, wie es tatsächlich um die Lungengesundheit eines Bestandes steht. Genau deshalb gewinnt die Auswertung von Lungenbefunden zunehmend an Bedeutung – sowohl für die Tiergesundheit als auch für die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes.
Lungenschäden wirken sich auf viele Bereiche der Produktion aus. Betroffene Tiere wachsen langsamer, verwerten das Futter schlechter und benötigen oft mehr Zeit bis zur Schlachtreife. Gleichzeitig können sich die Veränderungen negativ auf die Schlachtkörperqualität auswirken.
Mit den neuen Bonus- und Malus-Systemen verschiedener Schlachtunternehmen rücken Gesundheitsindikatoren zusätzlich in den Fokus. Gute Tiergesundheit kann sich positiv auf den Auszahlungspreis auswirken, während erhöhte Krankheitsbefunde wirtschaftliche Nachteile verursachen können.
Lungengesundheit ist damit längst nicht mehr nur ein Thema für Tierarzt und Stallmanagement. Sie entwickelt sich zunehmend zu einem betriebswirtschaftlichen Erfolgsfaktor.
Die größte Herausforderung besteht darin, dass ein erheblicher Teil der Atemwegserkrankungen unbemerkt verläuft. Selbst Bestände mit guten Leistungen können relevante Lungenschäden aufweisen.
Typische Folgen sind:
längere Mastdauer
uneinheitliche Mastgruppen
höhere Behandlungskosten
geringere Erlöse am Schlachthof
Oft werden diese Einbußen auf verschiedene Einzelursachen zurückgeführt. Tatsächlich kann eine eingeschränkte Lungengesundheit jedoch ein wesentlicher Auslöser sein.
Wie groß der Einfluss der Lungengesundheit tatsächlich ist, zeigen aktuelle Untersuchungen aus Deutschland und Europa.
In einer gemeinsamen Auswertung der Universität Leipzig, der Premium Food Group und Ceva wurden mehr als 44.000 Lungen untersucht. Dabei zeigte sich, dass ein standardisiertes Lungenscoring deutlich mehr Lungen- und Brustfellveränderungen erkennt als die routinemäßige Schlachthofbefundung.
Noch wichtiger sind die wirtschaftlichen Ergebnisse: Für 119 Mastpartien wurden Lungenbefunde mit den Schlachtergebnissen verknüpft. Zwischen Betrieben mit den besten und den schlechtesten Lungenbefunden lagen Unterschiede von mehr als 11 Prozent beim Schlachterlös pro Tier. Tiere mit stärkeren Lungenveränderungen wiesen zudem geringere Anteile wertvoller Teilstücke und niedrigere Magerfleischanteile auf.
Auch internationale Untersuchungen bestätigen diesen Zusammenhang. Schweine mit lungenbedingten Veränderungen erreichen häufig ein geringeres Schlachtgewicht und benötigen mehr Masttage bis zur Vermarktung. Die daraus entstehenden Mehrkosten können sich auf Betriebsebene schnell auf mehrere Tausend Euro pro Jahr summieren.
Mit der neuen Broschüre „Lungengesundheit zahlt sich aus!“ hat Ceva Tiergesundheit aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und Praxiserfahrungen kompakt für Schweinehalter zusammengestellt.
Die Broschüre zeigt unter anderem:
warum die Lungengesundheit als wichtiger Tierwohlindikator gilt
welche wirtschaftlichen Folgen Lungenschäden verursachen können
wie häufig Lungenveränderungen tatsächlich auftreten
welche Erkenntnisse sich aus Schlachthofbefunden ableiten lassen
wie Betriebe ihre Lungengesundheit systematisch überwachen können
Studien zeigen, dass je 1% Prozent Verlust an Lungenkapazität die durchschnittliche
Gewichtszunahme um 1,8 g/Tag verringert wird. 3, 4
Besonders interessant: Die Auswertungen aus Deutschland und Österreich zeigen, dass mykoplasmenbedingte Lungenveränderungen weiterhin weit verbreitet sind, die Unterschiede zwischen den Betrieben jedoch enorm ausfallen. Während einige Betriebe sehr niedrige Befundraten aufweisen, finden sich in anderen Beständen deutlich höhere Anteile betroffener Tiere.
Wer seine Lungengesundheit verbessern möchte, muss zunächst wissen, wie die Situation im eigenen Bestand tatsächlich aussieht.
Genau hier setzt das Ceva Lung Program (CLP) an. Dabei werden Lungen und Brustfell am Schlachthof nach einem standardisierten Verfahren beurteilt. Das ermöglicht eine objektive Bewertung und einen Vergleich über verschiedene Mastdurchgänge hinweg.
Der Nutzen geht dabei weit über die reine Datenerfassung hinaus:
versteckte Lungenschäden werden sichtbar
Entwicklungen können über die Zeit verfolgt werden
Erfolge von Maßnahmen lassen sich überprüfen
Schwachstellen im Gesundheitsmanagement werden erkannt
Entscheidungen können auf Basis objektiver Daten getroffen werden
Durch die Kombination mit weiterführender Diagnostik lassen sich außerdem wichtige Ursachen eingrenzen und gezielte Verbesserungen ableiten.
Die Ergebnisse eines Lungenscorings sind kein Selbstzweck. Sie helfen Landwirten und Tierärzten dabei, gezielt nach den Ursachen zu suchen.
Je nach Befund können beispielsweise folgende Maßnahmen sinnvoll sein:
Überprüfung der Impfstrategie
Optimierung von Stallklima und Lüftung
Verbesserung der Biosicherheit
Anpassungen bei Reinigung und Desinfektion
Optimierung von Tierfluss und Belegungsmanagement
Dadurch werden Investitionen und Maßnahmen dort angesetzt, wo sie den größten Nutzen für Tiergesundheit und Wirtschaftlichkeit erwarten lassen.
Viele Lungenschäden bleiben im Stall unentdeckt. Die wirtschaftlichen Folgen werden häufig erst sichtbar, wenn Leistungen nachlassen oder Schlachthofbefunde ausgewertet werden.
Wer die Lungengesundheit seiner Schweine kennt, kann gezielter handeln, Maßnahmen besser bewerten und Potenziale im Bestand aufdecken. Das Ceva Lung Program liefert dafür eine fundierte Grundlage und unterstützt Landwirte sowie Tierärzte dabei, die richtigen Entscheidungen für gesündere Tiere und eine bessere Wirtschaftlichkeit zu treffen.
Quellen:
1. Van Colen et al. (2024). Impact of EP- and A.p.-like lung lesions on growth of fattening pigs. Proceedings of the 15th ESPHM and 27th IPVS conference, Leipzig.
2. Wageningen University & Research, Agrimatie, BINternet, 5 year average carcass price in the Netherlands, years 2021-2025.
3. Ceva, data on file – Results of CL lung screenings of German and Austrian pig farms, period: 2024-2025
4. Ferraz M. et al. Lung consolidation caused by Mycoplasma hyopneumoniae has a negative effect on productive performance and economic revenue in finishing pigs. Preventive Veterinary Medicine 182 (2020) 105091